FINAL CUT

Marburger Kinder- & Jugendfilmfestival

21. bis 28. Juni 2026

 

 

Final Cut Kinderjury 2026

Die Kinderjury 2026 in ihrem Jurybereich.


 

Preisträger Kinderjury 2026

Der Sommer, als (m)ich meine Geschichte fand - I Accidentally Wrote a Book -

Ungarn/Niederlande 2024, Regie: Natascha Beller, 95 Min., FSK 6, empf. ab 10 Jahren

Der Preisträger 2026 der Kinderjury ist der ungarisch-niederländische Film „Der Sommer, als ich mich (m)eine Geschichte fand - I Accidentally Wrote a Book -“ Der Film erzählt die Geschichte der jungen Nina, die sehr früh ihre Mutter verloren hat und nun mit ihrem Vater und ihrem jüngeren Bruder zusammenlebt. Die Familie hält liebevoll zusammen, aber die Mutter, an die Nina und ihr Bruder keine konkreten Erinnerungen haben, fehlt ihnen allen sehr. Nina träumt davon Schriftstellerin zu werden und schreibt ihre Erlebnisse auf. Unterstützung erhält sie dabei von der älteren Nachbarin, die ebenfalls Schriftstellerin war. In diesem Sommer, der Ninas Alltag beschreibt, geschehen Ereignisse und Begegnungen, die das Leben von besonders Nina und ihrer Familie entscheidend verändern werden.

Besonders herauszuheben ist, dass der Film ausschließlich aus der Perspektive von Nina erzählt wird. An manchen Stellen durchbricht er sogar die 4. Wand und Nina wendet sich direkt ans Publikum. Auf diese Weise wird der Zuschauer sehr nah an die Figuren und deren Gefühle herangeführt und kann die vielfältigen Emotionen gut nachvollziehen. Im Laufe der Geschichte durchleben nahezu alle Charaktere eine Entwicklung weshalb am Ende des Films niemand dieselbe Person wie zu Beginn ist.
Hervorragend war die schauspielerische Leistung aller Protagonisten, wobei insbesondere die Kinderdarsteller lobend hervorgehoben werden können. Ihre ausdrucksstarke Präsenz in Mimik und Gestik haben die Figuren sehr glaubwürdig gemacht.
Der Film visualisiert das Geschehen durch die Nutzung einer breiten Palette von unterschiedlichen Einstellungsgrößen und Perspektiven, die immer nah an den Inhalten der einzelnen Szenen ausgerichtet sind. Sehr ungewöhnlich und gelungen sind unterschiedlichste Effekte, so werden Sprache und Wörter grafisch in die Bilder eingesetzt und erfahren so eine besondere Gewichtung. Damit wird auch unterstützt, dass Literatur nicht nur eine wichtige Rolle für Nina sondern für die gesamte Thematik des Films spielt. Weitere Themen wie Freundschaft, Familie, Verlust, Erwachsen-Werden und Akzeptanz sind ein großer Bestandteil von Ninas Geschichte.
Zur Untermalung der Szenen wird sehr häufig Musik in unterschiedlichen Stilen werwendet und auch eigenständig Lieder sind unterlegt, was die Szenen dramaturgisch sehr unterstützt.

Wir empfehlen diesen wunderschönen Kinderfilm allen Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 14 Jahren., die sich von einer emotionalen Geschichte berühren lassen wollen.

DER FILM LÄUFT AKTUELL IM KINO!

 


Lobende Erwähnung Kinderjury 2026

Plitsch Platsch Forever

Schweiz 2026, Regie: Natascha Beller, 87 Min., FSK noch offen, empf. ab 7 Jahren

In diesem Jahr möchte, die Kinderjury auch eine Lobende Erwähnung für den Film „Plitsch Platsch Forever“ aussprechen, der sie auch sehr beeindruckt hat. Er zeigt am Beispiel einer drohenden Freibadschließung wie wichtig Freundschaften und Zusammenhalt sein können und was auch Kinder erreichen, wenn sie sich zusammenschließen und für eine Sache gemeinsam kämpfen. Mit großem Engagement und vielfältigen Ideen wollen sie ihr Freibad retten, was im Sommer für sie wie ein zweites Zuhause ist.
Dabei schließen sie neue Freundschaften, entwickeln sich weiter und lernen etwas über Demokratie und Gemeinschaft.
In variantenreichen Bildern und mit dramaturgischen Rückblicken wird der Kampf um das Freibad fröhlich sommerlich in Szene gesetzt.

Diesen Film, der im Sommer 2026 in die Kinos kommt, empfehlen wir allen Kindern zwischen 6 und 12 Jahren und deren Familien.

DER FILM KOMMT AM 9. JULI INS KINO!

 


Preisträger Jugendjury 2025

Mum don´t love me no mo‘ / Verstoßene - Kein Zuhause bei Maman

Frankreich 2024, Regie & Buch: Grégory Lucilly, 94 Min., OmU, FSK 16, empf. ab 16 Jahren

Als Preisträger der Jugendjury von FINAL CUT 2026 wurde der Film „Mum don’t love me no mo‘“ ausgewählt. Die Jury war besonders von der Art und Weise, wie der Film es geschafft hat seine emotionale und reale Thematik überzeugend zu vermitteln, beeindruckt.  

Der 15-jährige Thomas möchte Breakdance-Profi werden und seine ältere Schwester Audrey hat bereits eine kleine Tochter.
Plötzlich werden die Drei von ihrer alleinerziehenden Mutter aus dem Haus geworfen und kommen notgedrungen bei ihrem bisher abwesenden Vater und seiner neuen Familie unter.
Dort versuchen sie mit ihrer neuen Realität zurecht zu kommen, was Thomas nur durch den Hip Hop gelingt. Audrey versucht währenddessen die Beziehung zu ihrem Ex-Partner wieder zu beleben, was kläglich scheitert. Nach einem Gewaltausbruch wird Thomas in einer geschlossenen Erziehungsanstalt untergebracht, wo er lernen muss seine Probleme ohne Aggressionen zu lösen. Bis er es schafft der Verwirklichung seiner Träume näher zu kommen muss er noch mit vielen Rückschlägen klarkommen.

Besonders beeindruckt hat uns die facettenreiche Themenauswahl, welche von Familiekonflikten bis zu Perspektivlosigkeit und häuslicher Gewalt reicht. Dies hat besonders durch die überzeugende Schauspielkunst für Emotionalität gesorgt, wodurch der Film dauerhaft spannend war. Dadurch konnte man sich gut in die Charaktere hineinversetzen, ihre Emotionen nachvollziehen und sie auf dem Weg zur Selbständigkeit und Verantwortung begleiten. Unterstützt wurde dies auch durch eine dynamische Kameraführung, die nah den Akteuren folgte und auch immer wieder die ästhetische Landschaft der Insel La Réunion kontrastierend zum Alltagsgeschehen hervorhob.
Der Film arbeitet mit einer sehr besonderen Schnittfolge in dem er beispielsweise in einer Szene mehrere Akteure aus dem Leben der Geschwister durch wechselnden Fokus an einem Ort vereint.
Auf der Dialogebene nutzt der Film zeitgemäße harte Sprache, die sehr zu dem emotional aufgeladenen Alltag der Jugendlichen passt.
Wesentliche musikalische Akzente setzt der Film mit dem Einsatz von Hip Hop Musik, die den Traum von Thomas akustisch zum Ausdruck bringt. In emotional stark aufgeladenen Szenen wird bewusst auf die Untermalung von Musik verzichtet, um die dort stattfindende Gewalt exzessiver wirken zu lassen.

Wir empfehlen dieses berührende Sozialdrama allen Jugendlichen und jungen Erwachsenen ab 16 Jahren, die bereit sind diese ernsten Thematiken und die Komplexität der Charaktere differenziert zu betrachten und einzuordnen.

DER FILM KOMMT AM 23. JULI INS KINO!